Noldi Alder Urnäsch
Arnold Alder - 1953 – Bürgerort Urnäsch AR – Wohnsitz 9107
Urnäsch
1995 Abschluss klassisches Musikstudium im Hauptfach
Violine. Seit 1996 freischaffender Musiker in den Bereichen
Klassik, Volksmusik, Salonmusik, Komposition und
Arrangement.
Projektleitungen und Haupttätigkeiten in den letzten 5
Jahren:
Künstlerischer Leiter EXPO 02 am Kantonaltag der drei
Kantone AI, AR, NE
Ständiger Erneuerer des Naturjodels (Gegenbewegung zum
Jodlerverband)
Hauptprojektleiter des Neuen Appenzeller
Streichmusikprojekts (mit Paul Giger, Fabian Müller, Töbi
Tobler, Francisco Obieta). Gleichnamige CD in der Reihe
Musikszene Schweiz
Musikalischer Berater und Interpret im Film Bergfahrt
(Regie Thomas Gloor). Dieser Film zeigt eine mögliche
Fortsetzung der zum Teil starr gewordenen Schweizer
Volksmusik.
Komposition und musikalische Leitung, Festspiel Schlacht am
Stoos, 2005
Musikalisches Konzept Olma – Auftritt der beiden Appenzell
2006
Interpret im Film Heimatklänge von Stefan Schwietert 2007
Künstlerische Leitung IBK, experimentelle Volksmusik, 2007
im Appenzellerland
Künstlerische Leitung beim Festival Saitenwind in Wildhaus
im Okt. 2007 und Klangkurs für MusikerInnen.
1. Kulturpreisträger des Kantons Appenzell Ausserrhoden –
2008
Reflexion: Bachkantate und Musik im Appenzellerland
Komposition zusammen mit Frederick Schenker „Mord auf dem
Säntis“
Kammeroper: Libretto: Urs Widmer“Die toten Tiere“
Volksfilmmusik zum Stummfilm der Artist
Festspiel 2013 Der Dreizehnte Ort
Momentane Tätigkeiten:
Klangcombi: Streichquintett mit zeitgenössischen virtuosen
Arrangements von Volksmusik, im besonderen
Appenzellermusik.
Weiterverfolgung der 30-jährigen Feldforschungsarbeiten, im
speziellen für Appenzellermusik und Stiftungsrat im Zentrum
für Appenzellische Volksmusik
Kurse für Volksmusik an der Musikhochschule Luzern
Kompositorische Tätigkeit im Bereich
Volksmusik-Improvisation-Klassik
Konzertieren in diversen Besetzungen
Interview von Hanspeter Spörri
«Ungenierte
Gedanken von Ludwig Hasler und versöhnliche Musik mit dem
Klancombi von Noldi Alder» – der nächste Programmpunkt des
Teufner Grubenmann-Jahres, am 25. August um 20 Uhr in der
Grubenmann-Kirche in Teufen
Noldi
Alder, Sie spielen mit ihrem Ensemble, dem Klangcombi, an
einer Veranstaltung zum 300. Geburtstag des Teufner
Baumeisters Hans Ulrich Grubenmann. Zufall?
Ich habe einst
Mühlenbauer gelernt, komme also vom Handwerk her, schätze
gutes Handwerk – und weiss, dass es leider oft unterschätzt
wird. Ich bewundere die Baumeisterfamilie Grubenmann seit
langem, vor allem wegen ihrer Brückenbauten. Eine Brücke
ist, anders als ein Wohnhaus, ein öffentlicher Ort; sie
muss grosse Belastungen tragen, ist exponiert, erfüllt eine
gesellschaftliche Funktion. Vielleicht also kein Zufall.
Sie sehen
sich selber als Brückenbauer?
Aber nein, ganz
und gar nicht! Mit meinen Projekten und Kompositionen
bringe ich verschiedene Musikwelten – Volksmusik und
Klassik – miteinander in Verbindung. Aber die Musik ist
eher zu vergleichen mit dem stetig fliessenden Strom; die
Brücken von Ufer zu Ufer müssen die Zuhörenden bauen.
Aber
nochmals zu Hans Ulrich Grubenmann und seinen Werken: Gibt
es musikalische Parallelen?
Vielleicht kann
man ihn mit Bach vergleichen. In Johann Sebastian Bach
Musik kann man durchaus Konstruktionen erkennen die im
weitesten Sinn mit der Statik von Grubenmann verglichen
werden können.Auch bei Ihm gibt es vertikale Hauptpfeiler
und verbindende horizontalen. Bach und die Brüder
Grubenmann schufen perfekte Werke. Sie haben in der
gleichen Epoche gelebt, als Autodidakten die Werke anderer
studiert. Sie sind aber ihre eigenen Wege gegangen. Wir
werden also in der Grubenmannkirche in Teufen sicher Bach
spielen, dann aber die konstruierte Musik verlassen.
Wahrscheinlich hat auch Grubenmann nicht nur konstruiert,
sondern häufig improvisiert. Dank seinem Talent und seinen
Fähigkeiten konnte er das; er sah, wenn etwas richtig war.
Was heißt
«richtig»? Was ist perfekt?
Ich habe auch
im Geigenbau gearbeitet. Die Geige ist ebenfalls eine
Brücke, trägt die Saiten. Nur hat sie daneben auch noch
eine klingende Funktion. Und wir staunen ja immer noch über
die Klangqualität, welche Geigenbauer wie Stradivari im 17.
Jahrhundert erreicht haben. Deshalb versucht man nun mit
wissenschaftlichen Methoden herauszufinden, wodurch diese
Qualitäten entstanden. Aber man ist damit wohl auf dem
Holzweg. Es gibt nicht einfach ein Geheimnis zu enthüllen.
Die besondere Klangqualität hat nicht einen einzigen Grund,
eine Hauptursache, die man entdecken könnte. Für den Bau
einer Geige sind etwa 300 unterschiedliche Arbeitsgänge
nötig, und jeder einzelne von ihnen muss vollständig
durchdacht sein, richtig gemacht und abgeschlossen werden.
Nur dann ist das Resultat perfekt.
Über Hans
Ulrich Grubenmann und seine Familie weiss man relativ
wenig. Vermutlich war er aber mehr Unternehmer als
Schöngeist. Vielleicht war er ziemlich schwierig im Umgang.
Wer etwas
erreichen will, muss frech sein. Grubenmann wurde sicher
auch politisch unterstützt; er wusste, wie er sich diese
Unterstützung sichern konnte; er konnte sich durchsetzen.
Und er war wohl überzeugt von dem, was er tat; er kannte
seinen Wert. Als Handwerker und Unternehmer hatte er
Selbstvertrauen; er war bereit, notfalls die Kritik jener
zu ertragen, denen er zu unkonventionell, zu wagemutig oder
zu eigensinnig war. Er wusste also, was er selber aushalten
wollte und konnte.»
Woher kann
dieses Selbstvertrauen stammen?
Grubenmann hat
auch dem Material vertraut; Vertrauen in sich selber und in
das Material ist eine Voraussetzung, um gut arbeiten zu
können. Mir geht es jedenfalls so: Ich kann nicht immer
erklären, warum ich etwas mache. Aber ich vertraue darauf,
dass es richtig ist, wenn ich auf die Bühne gehe. Musik
sollte nicht kopflastig sein. Häufig kommt es besser, wenn
man sich auf die Intuition verlässt. Ich nehme an,
Grubenmann wurde auch von seiner Intuition geleitet.
Sie sind
Volksmusiker, gehören zur 4. Generation der Urnäscher
Alder-Dynastie. Gibt auch die Tradition Vertrauen?
Man muss dazu
stehen, dass man von der Tradition her kommt. Ich konnte
sie nicht einfach hiner mir lassen. Als ich im Alter von 35
Jahren das Geigenstudium begann, fühlte ich mich hin und
her gerissen. Zunächst musste ich mich von der Tradition
lösen. Aber das ist vermutlich gar nicht so
aussergewöhnlich. Die Volksmusik hat sich früher immer
weiterentwickelt. Wer meint, Traditionen seien statisch,
unterschätzt sie. Man kann sich also von ihnen entfernen –
und wieder zu ihnen zurückkehren.

